Das war nicht nur Teamarbeit! Warum es sich lohnt, den eigenen Beitrag sichtbar zu machen.

„Das haben wir als Team geschafft.“ Ein gut gemeinter Satz, der natürlich ganz, ganz oft vollkommen richtig ist. Trotzdem bleibt eine wichtige Frage: „Was genau war eigentlich mein eigener Anteil daran?“

Studien zeigen, dass Frauen ihre eigene Leistung bei vergleichbarer objektiver Performance häufig zurückhaltender darstellen als Männer. Das kann Folgen haben: Zum Beispiel, wenn andere unsere Kompetenz vor allem darüber einschätzen, wie wir selbst über unsere Leistungen sprechen.

Selbst-PR muss dabei weder laut noch unangenehm sein. Entscheidend ist, den eigenen Beitrag konkret zu benennen und im Unternehmen sichtbar zu machen, welche Wirkung daraus entstanden ist.

Wie gut war ich wirklich?

Auf diese Frage geben Frauen und Männer offenbar unterschiedliche Antworten – selbst wenn sie objektiv gleich gut abgeschnitten haben. Das zeigt eine groß angelegte Untersuchung der Ökonom:innen Christine Exley und Judd Kessler. In einem Experiment absolvierten die Teilnehmenden zunächst einen Test mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgaben – also einem Bereich, der stereotyp eher Männern zugeschrieben wird. Anschließend sollten sie ihre eigene Leistung einschätzen: „Habe ich gut abgeschnitten? Würde ich mich auf eine Stelle bewerben, für die diese Fähigkeiten wichtig sind? Und wäre ich in einem solchen Job erfolgreich?“

Das Ergebnis: Frauen beschrieben ihre Leistung deutlich zurückhaltender als Männer – obwohl sie im Test genauso gut oder sogar besser abgeschnitten hatten. Besonders bemerkenswert: Der Unterschied blieb auch bestehen, nachdem die Teilnehmenden erfahren hatten, wie viele Aufgaben sie richtig gelöst hatten und wie sie im Vergleich zu anderen lagen. Interessant ist dabei: Bei einer eher weiblich konnotierten Aufgabe – etwa im sprachlich-verbalen Bereich – verschwand dieser Unterschied. Die Zurückhaltung war also kein genereller Zug, sondern trat gezielt dort auf, wo die Aufgabe nicht dem eigenen Geschlechterstereotyp entsprach.

Diese Zurückhaltung blieb nicht ohne Folgen. In einem weiteren Teil des Experiments entschieden andere Versuchspersonen in der Rolle potenzieller Arbeitgeber, wen sie für eine Aufgabe auswählen und wie hoch sie diese Person vergüten würden. Als Entscheidungsgrundlage erhielten sie lediglich die Selbsteinschätzung der Bewerberinnen und Bewerber. Wer die eigene Leistung überzeugender beschrieb, wurde häufiger ausgewählt und besser bezahlt. Frauen hatten dadurch bei gleicher Leistung geringere Chancen. Und zwar nicht, weil die Entscheider ihr Geschlecht kannten, sondern weil ihre zurückhaltendere Selbstdarstellung als Hinweis auf geringere Kompetenz verstanden wurde.

Die Studie zeigt damit ein beruflich relevantes Dilemma: Gute Leistung spricht nicht immer für sich. Wenn andere unsere Fähigkeiten nicht unmittelbar beurteilen können, orientieren sie sich daran, wie wir selbst darüber sprechen. Wer sagt: „Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen“, sendet ein anderes Signal als jemand, der feststellt: „Ich habe ein sehr gutes Ergebnis erzielt!“

Was heißt das für unser Auftreten im Job? Natürlich soll daraus kein Aufruf zum Dauer-Selbstmarketing werden. Niemand möchte mit Kolleginnen oder Kollegen arbeiten, die jede Gelegenheit nutzen, um die eigenen Erfolge aufzuzählen.

Aber wir finden: Zwischen Prahlerei und Unsichtbarkeit liegt ein ziemlich großer Raum. Selbst-PR bedeutet nicht, sich größer zu machen, als man ist. Gute Selbst-PR im Job heißt zunächst einmal, den eigenen Beitrag korrekt zu benennen. Einfach benennen, was wir getan haben. Und gerade das fällt vielen Frauen (und Männern natürlich genauso) schwer. Üben können wir dies in Situationen, bei denen von uns
erwartet wird, über unsere Erfolge zu sprechen: Jahres- oder Entwicklungsgespräche, Bewerbungen, internen Auswahlverfahren, Präsentationen gegenüber dem Management…

Aber wann wird Selbst-PR zum Prahlen?

Immer wieder begegnet uns in Seminaren die Frage, wo denn die Grenze liegt von Selbst-PR zum Angeben. Unsere Idee: Die Grenze liegt weniger darin, ob Sie positiv über sich sprechen, sondern wie.

Angeben macht die eigene Person größer und andere häufig kleiner. Es arbeitet mit Übertreibungen, Superlativen oder dem Anspruch, einen Erfolg allein für sich zu verbuchen. Professionelle Selbst-PR bleibt dagegen konkret: Was genau habe ich gemacht? Was war mein Anteil? Was wurde dadurch möglich?

Und auch hier gibt es ein Dilemma

Ganz risikofrei ist die Selbst-PR aber leider nicht: Auch hier treffen wir auf das Phänomen des Double-Bind: Eine Studie (Laurie Rudman) zeigt, dass Frauen durch Selbstpromotion zwar kompetenter wirken können, gleichzeitig aber Gefahr laufen, sozial negativer beurteilt zu werden, wenn ihr Verhalten traditionellen Erwartungen an weibliche Bescheidenheit widerspricht. Wir bleiben an dem Thema dran….

Zum Seminar mit Rhetorik für Frauen Fokus:

Und was können Sie konkret tun?

Sie kennen unser Credo: Techniken und Tools sind nur gut, wenn sie in der entscheidenden Situation auch abrufbar sind. Darum hier ein ganz simpler Dreiklang (der im Alltag natürlich nicht mehr ganz so simpel ist, denn wir müssen ihn ja umsetzen und in der Situation irgendwie auf die Tonspur bekommen….)

Die einfache Struktur lautet also:

1. Ergebnis

Wir starten mit dem was erreicht wurde. Benennen Sie zunächst einmal das Ergebnis: Wo stehen wir? Wie ist die Situation? Es gilt: Benennen, ohne zu bewerten. So steht im ersten Schritt die Leistung im Mittelpunkt und nicht unsere Selbst-PR.
Bsp: „Wir haben das Projekt 2 Wochen vor Deadline abgeschlossen.“

2. Eigener Beitrag

Jetzt machen Sie Ihren eigenen Beitrag zu diesem Ergebnis sichtbar. Stellen Sie klar, welche Rolle Sie bei diesem Ergebnis hatten. Damit es nicht großspurig klingt, sollte.

Bsp.: „Ich habe die Konzeption verantwortet und die Umsetzung gesteuert.“

3. Wirkung

Das ist der Part der Selbst-PR, der vielen noch schwer fällt, zu formulieren. Wie kann ich die Wirkung /den Nutzen am besten formulieren: Was hilft: Formulieren Sie Fragen, die besser einkreisen, was konkret der Nutzen ist:

Was ging durch meinen Beitrag schneller?

Was wurde besser (Qualität, Standards…)

Was wurde für andere einfacher?

Was wurde eingespart oder besser genutzt?

Kurz: Was wurde durch meinen Beitrag besser, schneller, einfacher oder möglich? Andersrum können Sie sich natürlich auch die Frage stellen: „Wenn ich meinen Beitrag weggelassen hätte: Was wäre vermutlich anders gewesen?“

Rocket Rocket

Mini-Übung: Die eigenen Erfolge (für sich) sichtbar machen

Denken Sie an drei Erfolge aus den vergangenen sechs Monaten.
Notieren Sie zu jedem Erfolg drei Sätze:

Was haben wir erreicht?
Was war konkret mein Anteil?
Welche Wirkung hatte mein Beitrag?

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Wer diesen Artikel verfasst hat

Der Artikel wurde vom Clara v. Sydow verfasst. Sie ist Geschäftsführerin und  Teil des Trainerteams des momentum – Institut für Rhetorik und Kommunikation. Unser Team besteht aus zertifizierten TrainerInnen mit langjähriger Praxis.
Die Autor:innen vereinen wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Anwendung und bringen umfangreiche Erfahrung aus den Bereichen Rhetorik, Kommunikation, Präsentation, Psychologie und Führung mit.

Unsere Inhalte verbinden bewährte Kommunikationsprinzipien mit aktuellem Wissen – klar erklärt, praxisnah aufbereitet und direkt anwendbar.