Sind Sie auch ein Schnellsprecher?
Warum sprechen wir manchmal zu schnell?
Fast achtzig Prozent der Menschen in sprechenden Berufen sprechen zu schnell. Lehrer, Redner, Moderatorinnen, ja sogar Verkehrsfunksprecher hetzen durch ihre Worte, als wollten sie schnell wieder zur Musik zurück.
Doch warum passiert das? Häufig, weil das Gesagte für den Sprecher nebensächlich ist. Weil Routine entsteht. Oder weil zu viel gesagt werden soll in zu kurzer Zeit.
Schnell sprechen – schnell denken?
„Schneller sprechen als denken“ oder „schneller denken als sprechen“? Schnellsprecher wirken oft, als hätten sie einen Gedankenüberschuss. Sie sprudeln vor Ideen und Emotionen. Doch der Zuhörer geht dabei leicht unter. Eine Stimme wie ein Wasserfall überfordert das Publikum – gerade wenn es auf Verständnis, nicht auf Informationsmenge ankommt.
Ursachen für schnelles Sprechen
- Routine & Monotonie: Wiederholung täglich gleicher Inhalte (z. B. bei Lehrern oder Verkaufspräsentationen)
- Emotionale Überfrachtung: Begeisterung, Aufregung, Nervosität
- Unterschätzung des Inhalts: „Das ist ja nichts Wichtiges“
- Zeitdruck: Zu viel Inhalt für zu wenig Redezeit
- Unbewusste Gewohnheit: Kaum wahrgenommene Sprechroutine
Was hilft gegen zu schnelles Sprechen?
Hier ein Übungstipp aus unseren Seminaren:
Versetzen Sie sich in eine bedeutungsvolle Situation. Sagen Sie laut:
„Ich strebe nach innerer Harmonie.“
„Ich will in meinem Beruf weiterkommen.“
Sprechen Sie jedes Wort bewusst wie einen Faustschlag. Der Körper folgt der inneren Haltung. Und aus der Haltung entsteht das Sprechtempo.
Die „Schneckenübung“
„Ich … spreche … langsam.“
„Auch die … Schnecke … kommt … ans … Ziel.“
Körperliche Wahrnehmung ändert sich, wenn das Tempo sinkt. Die Atmung beruhigt sich. Gedanken sortieren sich. Sprechen wird klarer, stärker, menschlicher.
Zusätzliche Werkzeuge zur Verlangsamung:
- Visualisierung: Worte treffen gezielt auf das Gegenüber
- Fingertechnik: Ein Gedanke pro Finger (These, Beispiel …)
- Atempunkte setzen: Nach jedem Satz bewusst atmen
- Lautlese-Training: Gedichte oder Literatur langsam vorlesen
- Aufnahme-Feedback: Sich selbst hören wie ein Zuhörer
Mentale Vorbereitung
„Ich habe Zeit.“
„Meine Worte sind wertvoll.“
„Ich werde gehört.“
Diese Gedanken verändern mehr als jede Technik.
Mehr Wirkung durch bewussten Stimmeinsatz
Der Ton macht die Musik – Stimme bewusst einsetzen
Reden Sie noch – oder sprechen Sie an?
Stellen Sie sich Ihre Zuhörer vor. Nicht anonym, sondern konkret. Reden Sie nicht in den leeren Raum. Sondern sprechen Sie an: mit Blickkontakt, mit klarer Stimme, mit Persönlichkeit.
Mini-Mantra vor jedem Auftritt:
„Ich spreche dich an. Dir will ich etwas sagen.“
Von der inneren Haltung zur sprechenden Geste
Introvertierte neigen dazu, nach innen zu sprechen: Gestik klein, Stimme undeutlich. Hier helfen Spiegelübungen:
- Arme verschränken und Wirkung prüfen
- Hand zum Kopf bei Nachdenklichkeit
- „Heut möchte ich die ganze Welt umarmen.“ – und Arme öffnen
Sprache beginnt mit Haltung.
Verdichten statt hetzen
In der Beschränkung liegt die Kraft. Moses brauchte 10 Gebote. Goethe schrieb:
„Über allen Gipfeln ist Ruh…“
Verdichten hilft gegen Schnellsprecherei.
Fazit: Tempo ist kein Talent, sondern Training
Schnelles Reden ist keine Tugend. Klarheit, Konzentration, Beziehung – das zählt.
Sprechen Sie von innen nach außen. Sprechen Sie vom Ich zum Du. Dann wird Ihre Sprache gehört, gefühlt und verstanden.
PROFI Trainer Tipp
Tempo senken ist ein Prozess – Pausentechnik macht’s leichter
In Kommunikationstrainings begegnet mir ein bekanntes Thema: Viele Menschen sprechen schnell, rattern durch ihre Präsentation. Tempokontrolle zu erlernen, erfordert Geduld und Übung, weil wir routiniert in einer automatisch/hektischen Sprechgeschwindigkeit verhaftet sind.
Im Workshop zur Stimm- und Sprechführung trainieren wir, wie enorm wirksam einfache Pausentechniken sein können:
- Spannungspause: Eine bewusste Pause vor einem wichtigen Wort erzeugt Aufmerksamkeit.
- Wirkpause: Eine kurze Stille nach dem Schlüsselwort lässt es wirken und im Gedächtnis haken.
Die Technik ist einfach: Wer Tempo bewusst unterbricht, schafft Raum für Wirkung und Klarheit. Und das ist ein gewaltiger Schritt, um das schnelle Reden zu beruhigen.
Bleiben Sie dran! Bauen Sie bewusst in der nächsten Präsentation Spannungspausen vor einem Schlagwort und eine Wirkpause danach einzubauen.
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Weiterführendes Training:
Wer diesen Artikel verfasst hat
Der Artikel wurde von Sven Hochreiter verfasst. Er ist Geschäftsführer und Teil des Trainerteam des momentum – Institut für Rhetorik und Kommunikation. Unser Team besteht aus zertifizierten TrainerInnen mit langjähriger Praxis.
Die Autor:innen vereinen wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Anwendung und bringen umfangreiche Erfahrung aus den Bereichen Rhetorik, Kommunikation, Präsentation, Psychologie und Führung mit.
Unsere Inhalte verbinden bewährte Kommunikationsprinzipien mit aktuellem Wissen – klar erklärt, praxisnah aufbereitet und direkt anwendbar.