Rhetorische Stilmittel: Die wichtigsten Mittel für Präsentationen, Reden und Gespräche

Rhetorische Stilmittel einsetzen: Warum?

Warum wir rhetorische Stilmittel nutzen? Ganz einfach: Weil sie wirken.
Viele Menschen verbinden damit zwar spontan eher unschöne Erinnerungen an ferne Schultage, an denen sie in pingeliger Detailarbeit Stilfiguren in Texten analysieren mussten. Was damals vielen als ermüdend und trocken vorkam, ist hochmodern, wirkungsvoll und allgegenwärtig.

Politiker, Marketingprofis, Journalisten und natürlich Blogger versorgen uns täglich mit einer hohen Dosis stark wirkender rhetorischen Figuren. Im gesprochenen und geschriebenen Wort. Im Business-Alltag und auch im privaten Kontext.

Die Sprachbilder der rhetorischen Stilmittel sind ganz wichtige Momente, um Dinge anschaulich, nachvollziehbar und klar werden zu lassen. Sie helfen, Abstraktes und Komplexes den Menschen verständlich zu machen. Sie emotionalisieren und binden Aufmerksamkeit, sie erhöhen die Sprach-Wirkung und machen damit einfach dem Zuhörer Spaß.

Rhetorische Stilmittel einsetzen: Wie geht das?

Rhetorische Stilmittel sind die Würze einer jeden Rede, Präsentation, Moderation. Und auch hier gilt: Viel wirkt nicht immer viel. Entscheidend ist die richtige Dosierung. Vertrauen Sie auf Ihren eigenen, intuitiven Zugang dazu. Und verwenden Sie sie wie einen Pfefferstreuer und wiegen Sie nicht aufs Gramm genau ab. So prägen Sie den persönlichen Stil Ihrer Rede, der sich aus dem Thema, dem Auditorium und der Person und Zielsetzung des Redners ergibt.

Aus der Vielzahl der rhetorischen Mitteln werden Sie einige entdecken, mit denen Sie sehr leicht und spielerisch umgehen können – z. B. mit der in der Rhetorik omnipräsenten Dreierfigur („Sie kann. Er kann. Sie können“, „Mit Köpfchen, Können und Know-How“). Sie ist schnell gebastelt und immer noch wirkungsvoll. Andere Stilmittel empfinden Sie evtl. als sperrig, wenig praktikabel und im umgangssprachlichen Alltag als sehr gestelzt.

Üben Sie zunächst mit den Figuren, die Ihnen leicht fallen, die zu Ihnen und Ihrer Alltagssprache passen. Trainieren Sie sich behutsam in der Ausweitung Ihres Repertoires, bis es Ihnen leichter fällt – und irgendwann sogar ein wenig Spaß macht. Und das wird es. Versprochen.

Bedenken Sie bitte auch hier, dass eine Rede keine Schreibe ist. Die Stilmittel dienen dazu, das Gesagte verständlich zu machen. Für den Zuhörer. Und wenn es für den Sprecher komplizierter wird („Wie wird das nochmal ausgesprochen?“, „In welcher Reihenfolge zähle ich die Punkte nochmal auf?“, „Wo genau setzte ich nochmal die rhetorische Frage ein?“ usw…) , dann dosieren Sie die Stilmittel geringer. Dafür flüssiger. So können sie ihre Wirkung ganz entspannt entfalten.

Die Wirkung der rhetorischen Stilmittel in Gesprächen, Moderationen oder Präsentationen hängt natürlich auch davon ab, WIE sie eingesetzt werden. Jedes noch so brilliante Stilmittel verpufft, wenn es unverständlich vernuschelt wird. Oder zu schnell gesprochen wird. Unterstützen Sie Ihre gekonnten rhetorischen Figuren durch eine zusätzliche stimmliche Stimulanz wie:

  • gezielte Pausentechnik (Spannungspausen und Wirkpausen)
  • rhythmisiertes Taktungs-Sprechen bei besonders wichtigen Aussagen
  • Varianz in Lautstärke und Tempo

Rhetorische Mittel einsetzen: Welche sind die wichtigsten für die Praxis?

Wir zeigen Ihnen hier die wichtigsten rhetorischen Mittel, um Ihre Aussagen mehr zu betonen, zu veranschaulichen und zu emotionalisieren.

Rhetorisches StilmittelAnmerkungen/BeispielWirkung des rhetorischen Stilmittels
alternative Verben nutzenGehen?
Oder rennen, flitzen, spazieren, flanieren, schleichen, eilen, schlendern,….
zusätzliche Bedeutung schaffen, spezifische Atmosphäre entstehen lassen, konkretisieren
(insb. Hilfsverben ersetzen: „haben, sein und werden“)
Wiederholung der Anfangsbuchstaben (Alliteration)„Bad Banks“
„Milch macht müde Männer munter“
wichtige Gedanken werden betont, prägen sich schneller ein
Weglassen eines Wortes / Satzteils (Ellipse)„Das Auto gepackt. Ab in den ersten Stau. Und irgendwann dann im Süden.“Auflockerung, Text wirkt energiereicher, erhält mehr Schwung
Gegensätze/Stilbruch„Von kleinen Menschen und großen Ideen“Kontrastieren, pointieren, Botschaften werden verstärkt
Klimax/ Antiklimax (Treppe)Steigerung vom Allgemeinen zum Besondere, vom Großem zum Kleinen und vice versa:
„Für das Unternehmen, für das Team und für mich“
„Veni, vidi, vici“
Kernaussage wird verstärkt
Gleicher Satzanfang/Ende
(Anapher und Epipher)
„Ich sehe Dich, ich höre Dich, ich bin bei Dir!“Wiederholung wirkt eindringlich und verstärkt die Wirkung
Anhäufung / Akkumulation„Mit ungebrochener Vitalität, mit unerschütterlicher Hoffnung, mit gleicher Stärke und mit gleicher Entschlossenheit“Zuhörer erhält wechselhafte Bilder vorgestellt, Aussagen werden dadurch verstärkt
Dreierformel3 rhythmische Einheiten
„Mit Schirm, Charme und Methode“
„Sie kann. Er kann. Sie können“
omnipräsent in der Rhetorik, Rhythmisierung wirkt eindrücklich, energisch und schwungvoll
Rhetorische Frage„Und wer will mir da widersprechen“?
„Wollen wir nicht alle im nächsten Jahr unseren Arbeitsplatz behalten?“
Vom Monolog zum getarnten Dialog. Wirkung verstärkt sich, wenn eine implizite Antwort des Publikum heißt „Aber klar ja!“/“Selbstverständlich nein!“
Zahlen einsetzen„5 gute Gründe für …“
„Wir betrachten es unter 3 Aspekten“
„Ich nenne die 3 wichtigsten Führungstools“
Einprägsam, klar und eingängig. Dem Publikum werden Hinweise auf die Struktur gegeben – kann diese besser nachvollziehen
Metaphern“Wenn Militärs die Macht übernehmen ist das was anderes, als wenn Franziskaner Suppe ausschenken.“
Franz Josef Strauß, Kommentar zum Putsch in Chile
emotionalisieren, reduzieren Komplexität, sorgen für Überraschungseffekte beim Zuhörer, verstärken die Verständnisebene –
denn reine Daten und Fakten werden schnell vergessen, emotionale Informationen jedoch bleiben stärker im Kopf
Analogien„Die soziale Marktwirtschaft ist wie ein Fußballspiel: Es herrscht das freie Spiel der Kräfte, reguliert durch für alle geltende Regeln. Der Schiedsrichter hat hier die Aufgabe wie das Bundeskartellamt“Ein direkter Vergleich, eingeleitet mit den Worten: „ist wie…, gleicht einem…“
Zitate, Aphorismen„Schon Cicero sagte: Je größer die Herausforderung, desto größer ist der Sieg!“
„Die Mongolen sagen: „Lächle, und die Welt lacht mit Dir – weine, und Du weinst alleine“
Zitate werden typischerweise mit bekannten Persönlichkeiten verbunden. Die Autorität/Referenz dieser Persönlichkeiten wird übertragen