Wenn-Dann-Regel: Wie Sie mit einem Satz Ihre Selbststeuerung verbessern

Die meisten von uns wären echte Rampensäue – wenn das Publikum nicht wäre. Und wenn die Schokolade nicht wär, wär Abnehmen nur halb so schwer.

Psychologen haben dieselben Probleme, aber den Vorteil, sie wissenschaftlich untersuchen zu können. Tatsächlich hat vor einigen Jahren ein Team aus deutschen und amerikanischen Forschern herausgefunden, dass Menschen sich selbst durch Sprache manipulieren können, um ihre Ziele zu erreichen. Der Trick: Störfaktoren rechtzeitig entschärfen.

Eine der Studien zeigte, dass Abnehmwillige leichter auf ungesunde Snacks verzichten konnten, wenn sie sich zu Beginn mögliche Versuchungen und eine sinnvolle Reaktion darauf vorstellten. Ein Beispiel: „Wenn ich Lust auf Süßes bekomme, esse ich stattdessen einen Apfel.“ Nervöse Tennisspieler erbrachten bessere Leistungen, wenn sie sich vor dem Spiel explizit vornahmen: „Wenn ich Versagensängste bekomme, konzentriere ich mich nur auf den Ball.“

Hier wird Selbstmotivation zur Selbstmanipulation durch Sprache. Die Psychologie nennt das Implementierungsintention – und das lässt sich ganz einfach übertragen, auch wenn das Match nicht auf dem Platz, sondern im Konfi stattfindet. Dann lautet Ihre Regel eben: „Wenn ich den Faden verliere, dann atme ich tief durch.“ Oder: „Wenn Herr Eckel mich aus der Fassung bringen will, bleibe ich ganz ruhig.“

Was dahinter steckt – Psychologie & Neurowissenschaft

Der Mechanismus hinter der Wenn-Dann-Regel ist gut erforscht. In der Verhaltenstherapie ähnelt er dem SORKC-Modell: Reiz – Organismus – Reaktion – Kontingenz – Konsequenz. Wir üben, einen Reiz bewusst wahrzunehmen und mit einer gezielten Reaktion zu beantworten.

Auch neurobiologisch ist das Prinzip fundiert: Laut der Polyvagal-Theorie von Stephen Porges (1994) können wir durch gezielte Atmung und mentale Anker das autonome Nervensystem beruhigen – etwa den Vagusnerv aktivieren, der unsere emotionale Balance wiederherstellt.

Diese Theorie wurde u.a. im TEDx-Talk „How to Calm Your Brain“ veranschaulicht – unbedingt sehenswert!

Wenn-Dann-Formel im Alltag: kleine Selbstregulation, große Wirkung

  • Selbstregulation Übung im Büro: Wenn der Puls steigt – dann fünf Sekunden ausatmen.
  • Emotionale Kontrolle im Gespräch: Wenn der Ton rauer wird – dann bewusst den Blickkontakt halten.
  • Prüfung oder Vortrag: Wenn der Blackout droht – dann zwei Schritte zurücktreten und innerlich sortieren.

„Wenn ich merke, wie mich die Situation anspannt, atme ich bewusst – und erkenne: Ich habe die Kontrolle.“

Thumbs-up Thumbs-up

PROFI Trainer Tipp

Kleine Mikrostrategien als effektive Werkzeuge zur Selbststeuerung

In Coachings und Kommunikationsseminaren fällt mir immer wieder auf: Viele Führungskräfte suchen nach dem großen Hebel, wenn es um souveränes Auftreten geht. Dabei sind es oft die kleinen, beinahe banalen Mikro-Strategien, die in der Praxis den entscheidenden Unterschied machen.

Ob es ein bewusst gesetzter Atemzug ist, ein innerer Leitsatz vor dem Einstieg oder ein kurzer Moment der Körperspannung vor dem Sprechen: Diese einfachen Tools sind echte Werkzeuge der Selbststeuerung.

Was diese Mikro-Strategien so wertvoll macht: Sie sind schnell einsetzbar, leicht zu trainieren und passen in jede Alltagssituation. Und gerade, weil sie so unspektakulär wirken, werden sie oft unterschätzt. Es sind nicht die großen Methoden, sondern die kleinen Selbstführungsimpulse, die den Unterschied machen – zwischen reagieren und bewusst agieren. Probieren Sie diese „Wenn-Dann-Formel…“!

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Wer diesen Artikel verfasst hat

Der Artikel wurde vom Clara v. Sydow verfasst. Sie ist Geschäftsführerin und  Teil des Trainerteams des momentum – Institut für Rhetorik und Kommunikation. Unser Team besteht aus zertifizierten TrainerInnen mit langjähriger Praxis.
Die Autor:innen vereinen wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Anwendung und bringen umfangreiche Erfahrung aus den Bereichen Rhetorik, Kommunikation, Präsentation, Psychologie und Führung mit.

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