Das habe ich doch gerade gesagt!
Warum Ideen von Frauen im Meeting manchmal weniger Resonanz bekommen (und was dahinterstecken kann)
Ein Klassiker: Sie bringen im Meeting eine Idee ein. Eigentlich eine ziemlich gute. Doch es passiert: Nichts. Niemand greift den Gedanken auf, die Diskussion geht weiter.
Einige Minuten später formuliert ein Kollege einen ganz ähnlichen Vorschlag. Plötzlich nicken mehrere Personen. „Genau!“ – „Das sollten wir machen.“ – „Guter Punkt!“
Und Sie denken: „Hä? Das habe ich doch gerade gesagt!“
Viele Frauen kennen Situationen dieser Art aus ihrem Berufsalltag. Dahinter steckt nicht immer automatisch eine bewusste Geringschätzung und auch nicht jedes Mal ein „Ideenklau“ (ja, klar, manchmal natürlich schon….). Was bleibt ist die Frage: Warum kann derselbe oder ein sehr ähnlicher Gedanke unterschiedlich viel Resonanz bekommen?
Drei Muster können dabei eine Rolle spielen.
Muster 1: Es macht einen Unterschied, wer etwas sagt
Wir möchten gerne glauben, dass im Meeting ausschließlich das beste Argument zählt. Tatsächlich bewerten Menschen einen Beitrag aber nie völlig losgelöst von der Person, die ihn äußert: Status, Rolle und auch Gruppendynamik beeinflussen, wie viel Gewicht wir einer Aussage geben. Und natürlich kann dabei auch unser Geschlecht Rolle spielen.
Das zeigen unter anderem Untersuchungen von Elizabeth J. McClean und Kollegen, veröffentlicht 2018 im Academy of Management Journal. Die Forschenden untersuchten, wie das aktive Einbringen konstruktiver, verbesserungsorientierter Ideen (in der Forschung als „promotive voice“ bezeichnet) mit sozialem Status und der Wahrnehmung als potenzielle Führungskraft zusammenhängt.
Das bemerkenswerte Ergebnis: Männer profitierten stärker davon, verbesserungsorientierte Ideen proaktiv einzubringen. Sie gewannen dadurch eher an Status. Bei Frauen zeigte sich derselbe Effekt nicht in gleicher Weise. Sie wurden zwar nicht unbedingt abgewertet, aber ihr Beitrag zahlte weniger auf ihre persönliche Sichtbarkeit und Führungswahrnehmung ein. Also: Eine Idee kann gehört werden, ohne dass die Ideengeberin dafür auch gesehen wird. Die Resonanz ist also abhängig davon, wer sie äußert.
Muster 2: Manche Ideen brauchen einen zweiten Anlauf
Nicht jedes Schweigen bedeutet: „Das ist keine gute Idee.“ Manchmal muss ein Gedanke erst verarbeitet werden. Manchmal braucht es einfach einen Moment, bis die anderen sie einordnen können. Wenn derselbe Gedanke dann später erneut auftaucht, ist er deshalb nicht mehr ganz neu. Die Gruppe hat ihn bereits einmal gehört.
Der zweite Sprecher kann dann von der gedanklichen Vorarbeit profitieren, die der erste Beitrag geleistet hat.
Für die Person, die die Idee ursprünglich eingebracht hat, fühlt sich das trotzdem verständlicherweise frustrierend an: Der eigene Gedanke hat möglicherweise den Boden bereitet – die sichtbare Zustimmung bekommt jemand anderes.
Muster 3: Mancher Vorschlag klingt nicht wie ein Vorschlag
Und hier sind wir wieder im Bereich der Rhetorik. Manche Formulierungen transportieren zwar einen Gedanken, sind sprachlich aber eher unkonkret und wenig „auf den Punkt“. Ideen bleiben vage: „Könnte, …hätte, …vielleicht, …eventuell, …wäre,… müsste mal….“ Diese sprachlichen Weichmacher geben den anderen im Meeting geradezu die Einladung, diese Idee zu überhören, es ist ja alles nur im Bereich des eventuell Möglichen. Der bestimmt gute Gedanke verschwimmt zwischen allen Redebeiträgen, bis…ja bis der nächste Kollege den Faden aufgreift, umformuliert und alle begeistert sind.
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Und was können Sie konkret tun?
1. Formulieren Sie mit Signalwörtern der Kompetenz
Sagen Sie nicht nur, was Sie denken. „Inszenieren“ Sie Ihren Vorschlag mit bewusst platzierten Signalwörter, um zu zeigen: „Achtung, ab jetzt wird es wichtig!“ Wir nennen dies die Signalwörter der Kompetenz. Wörter wie konkret, präzise, fokussiert oder Formulierungen wie „rein sachlich betrachtet“ geben einer Aussage einen klareren Rahmen. Sie signalisieren: „Ich habe einen klaren Plan“.
Zum Beispiel:
„Konkret schlage ich vor, dass wir …“
„Der entscheidende Punkt ist …“
„Rein sachlich betrachtet spricht dafür …“
„Wenn wir uns auf das Wesentliche fokussieren, bedeutet das …“
„Meine präzise Empfehlung lautet …“
Klar, solche Formulierungen ersetzen natürlich kein gutes Argument. Sie sorgen aber dafür, dass ein Gedanke als relevanter Beitrag erkennbar wird und nicht zwischen anderen Wortmeldungen im Nirgendwo verschwimmt.
2. Verankern Sie Ihre Idee im Gespräch
Lassen Sie Ihren Vorschlag nicht einfach im Raum stehen, sondern holen Sie aktiv eine Reaktion ein. Es ist wie eine Einladung zum Dialog. Fragen Sie die anderen direkt nach deren Meinung zu Ihrer Idee, oder wie die anderen mit diesem Gedanken umgehen möchten (z. B.: „Wie sehen Sie das?“…„Was spricht aus Ihrer Sicht dafür oder dagegen?“). Die Idee dahinter ist, den Gedanken stärker in den Meeting-Raum zu holen, in dem die Gruppe sich tatsächlich mit ihm beschäftigt.
Damit erhöht sich auch die Chance, dass aus Ihrem ersten Gedanken auch Ihr zweiter Gedanke wird, entsprechend dem o. a. Muster: „Manche Ideen brauchen einen zweiten Anlauf“.
3. Und wenn es wieder passiert ist? Holen Sie sich Ihre Idee zurück.
Wenn der Kollege (die Kollegin) Ihre Gedanken später noch einmal aufgreift, bleiben Sie ruhig. Wir alle wissen es: Reagieren wir spontan, überhitzt und gereizt, werden wir als zickig und zu emotional abgestempelt, Das ist so, das dürfen wir akzeptieren. Darum unser Tipp: Bleiben Sie ruhig und positiv! Der Gedanke war ja gut (ist ja klar, ist ja Ihrer….) und das sagen Sie auch. Nur eben verbunden mit dem kleinen Hinweis, dass es Ihr Vorschlag ist. Verstärkende Worte wie „richtig, genau, prima, hervorragend, genauso…“ sind hier Ihre Verbündete.
Hier zwei Beispiele: „Genau, das greift meinen Vorschlag von eben auf.“
Oder: „Ja, genau in diese Richtung ging mein Gedanke vorhin. Ich würde ihn gern noch um einen Punkt ergänzen.“ Tipp: Bereiten Sie „Ihren“ Satz einfach schon einmal vor. Wiederholen Sie ihn in Gedanken, bis er fest im Gedächtnis sitzt. Er im Kopf parat ist. Ziel ist es, dass wir in der Sekunde, wo wir den Satz brauchen, nicht sprachlos bleiben, sondern sofort kontern können. Wir von momentum nennen diese Art von Schlagfertigkeit Fast-Food-Konter: Schnell serviert, liefert sofortige Energie (Wirkung), hat aber keinen kulinarischen Tiefgang…
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Wer diesen Artikel verfasst hat
Der Artikel wurde vom Clara v. Sydow verfasst. Sie ist Geschäftsführerin und Teil des Trainerteams des momentum – Institut für Rhetorik und Kommunikation. Unser Team besteht aus zertifizierten TrainerInnen mit langjähriger Praxis.
Die Autor:innen vereinen wissenschaftliche Fundierung mit praxisnaher Anwendung und bringen umfangreiche Erfahrung aus den Bereichen Rhetorik, Kommunikation, Präsentation, Psychologie und Führung mit.
Unsere Inhalte verbinden bewährte Kommunikationsprinzipien mit aktuellem Wissen – klar erklärt, praxisnah aufbereitet und direkt anwendbar.